Rendezvous mit Dämonen
Wer in den Rap-Untergrund hinabsteigen will, ist beim aus der Bronx stammenden Oddateee gut aufgehoben. Soeben ist sein fünftes Album erschienen.

Oddateee: Rabbit Season (KdB Records / Atypeek Music)
„Everyone, everybody at war“: Rap ist Protest und Widerstand, ein Kampf gegen Dämonen, seien es Drogen, Bandenkriminalität oder pure Gewalt und Willkür – so das Klischee, das sich freilich auch immer wieder bestätigt findet. Auch Oddateee wird von diesen Dämonen gejagt.
Oddateee, bürgerlicher Name Ricardo Galindez, kann auf eine über zwanzig Jahre währende persönliche Musikhistorie zurückblicken. Bereits 2002 erschien sein Debüt „Steely Darkglasses“, gefolgt von „Halfway Homeless“, das auf Will Brooks (MC Dälek) Label Deadverse Recordings 2006 veröffentlicht wurde. Brooks selbst hat mit seiner Band Dälek unter anderem mit der deutschen Band Faust zusammengearbeitet.
Düstere Form von Trip Hop
Wie Dälek orientiert sich auch der in der Bronx, New York, geborene und in Union City, New Jersey, aufgewachsene Oddateee nicht so sehr am traditionellen Hip Hop. Einflüsse von Experimentalmusik sind ebenso gegenwärtig wie Alternative Rock oder Industrial. Seit einigen Jahren lebt Galindez in Frankreich. Dort hat er u.a. mit der experimentellen elektronischen Band Le Peuple de L’Herbe und Le Crabe zusammengearbeitet. Mit Österreich verbindet ihn eine Kollaboration mit den Sofa Surfers („Warped“, 2017).
„Rabbit Season“ ist erst das fünfte Album von Oddateee, diesmal bei dem französischen Label KdB Records erschienen – produziert von Dälek, mit Unterstützung der Rapper Junior Robinson und Mickalo‘. Oddateees Musik lässt sich in Teilen als düstere Form von Trip Hop fassen, Albträume inklusive. Wenn er von „no fear“ singt, so stellt sich erst recht Beklemmung ein. Die Musik folgt stets einem bestimmten Muster: Minimalistische Instrumentierungen und ein monotoner – manchmal an den frühen Tricky erinnernder – Rhythmus werden ergänzt von narrativen Elementen, die in einem fast schon protestierendem Refrain gipfeln und begleitet werden von einem Instrument, das aus der atmosphärischen Dichte herausragt und das Leadmotiv übernimmt. In „The Plane“ ist es eine Gitarre, in „Choose Wisely“ ein Synthesizer, in „Protect Yourself“ flirrende Klänge, die von einem Klavier zu stammen scheinen.
Die Musik klingt gleichwohl roh: Das Album ist keineswegs auf Hochglanz poliert. Zudem wirkt es etwas zusammengestöpselt, sind zwei Songs („Dump Shit“ und „Spikkks“) doch bereits seit 2021 im Umlauf. Dem Hörvergnügen, wenn man so will, tut dies keinen Abbruch. Und „2 Min End Ahki“ gehört mit nur einer Minute Laufzeit sicherlich zu einem der Highlights der kürzesten Songs der Rap-Geschichte. Wer Erholung braucht vom populären Wohlfühl-Rap oder wer überhaupt in den Rap-Untergrund hinabsteigen will, der ist bei Oddateee wunderbar aufgehoben.

Oddateee: Rabbit Season (KdB Records / Atypeek Music)