Triebabfuhr und Therapie
„Bright melodies and dark stories“: Diesem Motto bleibt US-Musiker Bob Mould auch auf seinem fünfzehnten Soloalbum treu.

Bob Mould: Here We Go Crazy (Granary Music / BMG)
Seit dem letzten Soloalbum von Bob Mould („Blue Hearts“) sind fünf Jahre vergangen. Aber auf den 64 Jahre alten Musiker aus New York ist Verlass. Seit fast vier Jahrzehnten sorgt(e) er zuerst mit seiner Band Hüsker Dü – ihr verdankt Mould die fast heldenhafte Verehrung unter Hardcore- und Alternative-Rock-Fans –, danach mit seinem Projekt Sugar und als Solo-Künstler immer wieder für reinigende musikalische Gewitter.
Mit seinem gerade erschienenen fünfzehnten Soloalbum, „Here We Go Crazy“, beweist er mit ungebremster Vehemenz und nimmermüder Energie, dass sein Credo „Anger is energy“ nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. In den vergangenen Jahren hatte sich bei Bob Mould einiges aufgestaut – die Pandemiejahre, der stete Demokratieabbau in seiner amerikanischen Heimat, die wachsende Kriegsgefahr und die negativen Auswüchse der fortschreitenden Digitalisierung –, was sich nun in elf Songs mit einer Gesamtspielzeit von nur 31 Minuten niederschlägt.
„Ich habe meine Musik auf das reduziert, was mich als junger Gitarrist begeistert hat: die Energie und die Elektrizität“, erzählt Mould in einem Interview. Musik dient ihm als Ventil für Triebabfuhr und als Therapie. Zusammen mit Jon Wurster am Schlagzeug und Jason Narducy am Bass, die den rhythmusbetonten Grundduktus vorgeben, zeigt sich der US-Musiker lebendig, wütend, ungestüm, laut und energiegeladen wie schon lange nicht mehr.
Lautstärke und Geschwindigkeit ergänzen einander perfekt, auf überflüssigen Ballast und Tand wird verzichtet, die unbändige Energie des Alternative Rock wird mit der Wucht des Power Pop verknüpft, und das hohe Energielevel über die gesamte Albumlänge gehalten. Aufgenommen in Steve Albinis Studio und von seinem kongenialen Tontechniker Beau Sorenson mit einem Sound zwischen Schroffheit und Eleganz ausgestattet, bleibt Bob Mould auch auf diesem Album seinem Motto „bright melodies and dark stories“ treu.
Neben dröhnenden Gitarrenklängen setzt er aber auch weiterhin auf die Kraft schöner Melodien, und stattet seine lärmenden Botschaften stets mit viel Pop-Appeal aus. Nach zehn ungestümen Songs (u.a. „Here We Go Crazy“, „Hard To Get“,“Fur Mink Augurs“, „You Need To Shine“,“Neanderthal“) schlägt Mould am Ende im Song „Your Side“ versöhnliche und sogar humorvolle Töne an: „If the world is going down in flames / I wanna be by your side / We can find a quiet place / It doesn´t need to be the Albert Hall“.

Bob Mould: Here We Go Crazy (Granary Music / BMG)
Lautstärke und Geschwindigkeit ergänzen einander bei Bob Mould stets perfekt, auf überflüssigen Ballast und Tand wird verzichtet.